Eine Blogserie vom H2Raum

Wasserstoff im Gespräch mit Peter Alexewicz

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Im Gespräch mit H2Raum gibt Peter Alexewicz, Leiter der Kommunikation und Energiepolitik bei Thyssengas, spannende Einblicke in den Aufbau des Wasserstoff-Kernnetzes, die Herausforderungen bei der Regulierung und die Chancen für das Ruhrgebiet als Wasserstoffstandort. Er erklärt, wie Infrastruktur, Angebot und Nachfrage zusammenwirken müssen, um den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft effizient zu gestalten, und welche Anschlusslösungen für Industrie, Mittelstand und Kommunen geplant sind.

H2Raum: Stellen Sie sich und Ihre Rolle bei Thyssengas GmbH unseren Lesenden bitte kurz vor.

Peter Alexewicz: Bei Thyssengas verantworte ich den Bereich Kommunikation und Energiepolitik. Gemeinsam mit meinem Team beschäftige ich mich mit der Frage, wie wir die Transformation von fossilen hin zu grünen Gasen kommunikativ begleiten und unsere Projekte in den Regionen gut verankern können. Dazu gehören Medienarbeit, der Austausch mit Politik und Initiativen sowie die frühzeitige Einbindung der Öffentlichkeit entlang unserer Leitungen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt aktuell auf der Kommunikation zu unseren Wasserstoffprojekten – sowohl beim Neubau als auch bei der Umstellung bestehender Leitungen.

H2Raum: Wie ist Ihr aktueller Stand beim Aufbau des Wasserstoff-Kernnetzes?

Peter Alexewicz: Thyssengas ist mit rund 1.100 geplanten Leitungskilometern am Kernnetz beteiligt. Bei ersten Projekten – wie unserer H2-Leitung Vlieghuis-Ochtrup – rollen bereits die Bagger. In unseren zahlreichen weiteren Projekten treiben wir derzeit die Genehmigungsverfahren in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden voran. Zeitgleich haben wir bereits den nächsten Schritt im Blick: Wir wollen Wasserstoff auch über das Kernnetz hinaus in die Fläche bringen und entwickeln entsprechende Anschlusslösungen. Dadurch ermöglichen wir Industrie, Mittelstand, Verteilnetzbetreibern und Kommunen entlang der Kernnetztrassen einen Anschluss an das geplante H2-Netz.

H2Raum: Wie wirken sich regulatorische Anforderungen auf die Entwicklung des Wasserstoffmarkts und die Entwicklung von Wasserstofftechnologien aus?

Peter Alexewicz: Regulatorische Rahmenbedingungen sind zentral für einen erfolgreichen Wasserstoff-Hochlauf. Die politischen und gesetzlichen Vorgaben für das H2-Kernnetz waren ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum H2-Hochlauf.

Gleichzeitig wissen wir: Infrastruktur allein ergibt noch keinen Markt. Auch Angebot und Nachfrage müssen entsprechend angereizt werden. Beim Hochlauf kommt es darauf an, die gesamte Wertschöpfungskette bestmöglich aufeinander abzustimmen.

Aus meiner Sicht sind auf der Produktionsseite vor allem die europäischen Vorgaben zur Herstellung von grünem und klimaneutralem Wasserstoff entscheidend. Sie sind aktuell noch zu restriktiv und sollten weiterentwickelt werden – insbesondere beim Thema blauer Wasserstoff. Ebenso wichtig ist ein Förderregime, das Cluster-Regionen mit großem Potenzial gezielt unterstützt. Wenn diese Stellschrauben zusammenwirken, entsteht nicht nur Infrastruktur, sondern ein echter Wasserstoffmarkt.

H2Raum: Wie werden die Bedarfe der Unternehmen und damit der zukünftigen Abnehmer von Wasserstoff hierbei berücksichtigt?

Peter Alexewicz: Mit dem Kernnetz wurde ein großer Part des Henne-Ei-Problems auf der Infrastrukturseite gelöst. Doch wir sehen, dass es ebendieses Henne-Ei-Problem auch auf der Erzeuger- und Abnehmerseite gibt: Abnehmer investieren nicht, weil Preise und Versorgung unsicher sind. Erzeuger bauen keine Anlagen, weil ihnen Abnahmezusagen fehlen.

Wir als Netzbetreiber stehen damit bei der Netzplanung im Dilemma: Planen wir zu groß, entstehen unnötige Kosten. Planen wir jedoch zu klein, bremsen wir den Markt aus. Das macht unsere Aufgabe aktuell zum Drahtseilakt.

Deshalb braucht es einen regulatorischen Rahmen, der Infrastruktur, Angebot und Nachfrage sinnvoll zusammendenkt. Wir müssen so planen, dass die Infrastruktur da ist, wenn der Markt sie braucht – bedarfsgerecht, effizient und ohne dass lange Leerstände entstehen.

H2Raum: Warum ist aus Ihrer Sicht gerade das Ruhrgebiet als Standort für eine Wasserstoffwirtschaft besonders relevant?

Peter Alexewicz: Das Ruhrgebiet ist durch seine hohe Industriedichte und die über Jahrzehnte entstandenen Wertschöpfungsketten einer der bedeutendsten Wirtschaftsstandorte Europas. Bestehende Erdgasnetze versorgen die hiesige Industrie mit Energie – mit dem Potenzial, auf grüne Gase umgestellt zu werden.

NRW ist zudem das Bundesland mit dem größten CO2-Minderungspotenzial. Ob Stahl, Chemie oder Zement: Viele Branchen benötigen Wasserstoff, um klimaneutral zu werden. Daher sind die Chancen für Wertschöpfung und Transformation hier besonders groß.

H2Raum: Arbeiten Sie aktuell an Projekten, die regulatorische Umsetzungsanforderungen für Wasserstoffinfrastruktur betreffen?

Peter Alexewicz: Ja, wir arbeiten aktuell an mehreren Themen, die regulatorische Anforderungen betreffen. Das Kernnetz selbst ist bereits eingebettet in einen umfassenden Rechtsrahmen. Gemeinsam mit dem FNB Gas, unserem Branchenverband, gestalten wir die Regeln für das zukünftige Marktdesign – beispielsweise zur Bilanzierung, Kapazitätsbuchung oder zur Frage, welche Cluster sich in der Hochlaufphase entwickeln.

Parallel dazu begleiten wir die Umsetzung des EU-Gasmarktpakets in deutsches Recht. Dieser Prozess klärt viele Details, die für den späteren H2-Markt entscheidend sind und unsere Projekte unmittelbar betreffen – von der Netzplanung bis zu Anschlussmodellen.

Kurz gesagt: Die Genehmigung des Kernnetzes war ein wichtiger Meilenstein. Jetzt geht es darum, die regulatorischen Grundlagen weiterzuentwickeln und in die Praxis zu übersetzen.

H2Raum: Mit welchen Anliegen rund um die Wasserstoff-Infrastruktur können sich Unternehmen an Sie wenden?

Peter Alexewicz: Unternehmen kommen vor allem dann auf uns zu, wenn sie Fragen zu Anschlussmöglichkeiten, Leitungsprojekten oder zur Infrastrukturentwicklung haben. Hier stehen wir als Partner beratend zur Seite. Wir informieren über Zugangsmöglichkeiten zum Kernnetz: Welche Voraussetzungen braucht ein Anschluss? Wie funktioniert die Kapazitätsbuchung? Und welche Lösung passt zum jeweiligen Bedarf? Bei konkreten Anschlussanfragen unterstützt unser Vertrieb direkt und praxisnah.

Darüber hinaus denken wir aber weiter. Für den Hochlauf ist der Austausch entlang der gesamten Wertschöpfungskette entscheidend. Mit Formaten wie dem „Thyssengas Dialog“ bringen wir Industrie, Politik und Produzenten an einen Tisch, um über zentrale Fragen rund um Angebot, Nachfrage und Infrastruktur zu sprechen. Unser Ziel ist es, Transparenz zu schaffen, Vernetzung zu fördern und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

H2Raum: Zu welchen Themen oder Fragestellungen im Bereich Wasserstoff und regulatorische Anforderungen würden Sie sich gerne mit anderen Expert*innen oder Forschenden austauschen?

Peter Alexewicz: Ein zentrales Thema ist für mich die Frage, wie wir der Wasserstoff-Hochlauf auf Clusterebene organisieren und beschleunigen können. Cluster können Keimzellen der Wasserstoffwirtschaft sein, wenn sie im nächsten Schritt auch überregionale Verbindungen schaffen.

Dazu gehört für mich auch der Plattformgedanke: Wie bringen wir Projektinitiativen, Infrastrukturplanungen und Anschlusslösungen so zusammen, dass sie sich gegenseitig verstärken? Und wie gelingt es, die Rahmenbedingungen auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene besser aufeinander abzustimmen? Gerade dieser Austausch zwischen Experten, Forschung, Industrie und Politik ist aus meiner Sicht entscheidend, um den Hochlauf strukturiert und effizient voranzubringen.



H2Raum: Unter welchen Kontaktdaten kann man Sie für weiterführende Fragen erreichen?

Peter Alexewicz: Am besten per Mail unter  peter.alexewicz@thyssengas.com , telefonisch +49 231 91291-3189 oder über LinkedIn www.linkedin.com/in/palexewicz.

H2Raum: Vielen Dank für das tolle Gespräch!