Eine Blogserie vom H2Raum

Wasserstoff im Gespräch mit Dr. Oliver Hegen

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Der promovierte Chemiker Oliver Hegen ist überzeugt: Künstliche Intelligenz kann der Forschungslandschaft enormes Potenzial eröffnen, etwa durch Simulationen in der Entwicklung von Elektrolyseuren und Brennstoffzellensystemen oder durch den Einsatz Digitaler Zwillinge. Genau an dieser Schnittstelle von Technologie und Digitalisierung setzt Capgemini Engineering an, wo Dr. Oliver Hegen als zentraler Ansprechpartner in Deutschland für das Thema Energie und Wasserstoff tätig ist. Warum gerade digitale Innovationen für den Wasserstoffhochlauf so entscheidend sind, was es mit dem Digital-First-Ansatz auf sich hat, und weitere spannende Fragen beantwortet Dr. Oliver Hegen im Interview.

H2Raum: Stellen Sie sich bitte unseren Lesenden kurz vor

Dr. Oliver Hegen: Sehr gerne. Mein Name ist Oliver Hegen, ich bin gebürtiger Bayer und aktuell „im Exil“ in Nordrhein-Westfalen. Ich bin promovierter Chemiker und verantworte bei Capgemini Engineering in Deutschland den Bereich Wasserstoff. Wenn ich mich nicht gerade mit Energiethemen beschäftige, findet man mich beim Sport – im Gym, auf der Laufstrecke oder in der Schwimmbahn – beim Essen oder beim Spazierengehen mit meinem Hund Henry.

H2Raum: Für was steht das Unternehmen Capgemini Engineering?

Dr. Oliver Hegen: Für Mut, Vertrauen, Ehrlichkeit, Teamgeist und Entrepreneurship. Capgemini Engineering ist Teil der Capgemini-Gruppe, einem der weltweit führenden Partner für KI-gestützte Geschäfts- und Technologietransformation. Als Ingenieurinnen und Ingenieure begleiten wir die Wertschöpfungsketten unserer Kunden branchenübergreifend und unterstützen sie bei der Entwicklung intelligenter, nachhaltiger und datengetriebener Produkte und Prozesse. Dabei verbinden wir die digitale mit der physikalischen Welt, um Entwicklungsprozesse zu beschleunigen und den Wertfluss zu maximieren.

H2Raum: Was ist Ihr Arbeitsschwerpunkt bei Capgemini Engineering im Bereich Wasserstoff?

Dr. Oliver Hegen: Zu unseren zentralen Schwerpunkten zählen Elektrolyseure, Brennstoffzellensysteme und Infrastrukturprojekte. Unsere Teams unterstützen unter anderem OEMs ( Original Equipment Manufacturers ) bei der Entwicklung von Elektrolyseuren und Brennstoffzellensystemen, etwa durch Simulationen und den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Darüber hinaus begleiten wir auch deren industrielle Fertigung – beispielsweise durch die Vollautomatisierung kompletter Produktionslinien unter Einsatz Digitaler Zwillinge und Predictive End-of-Line Testing. Ein weiterer Fokus liegt auf Energieinfrastruktur- bzw. Capital-Projects. Im Wasserstoffkontext umfasst das insbesondere Elektrolyseanlagen und stationäre Brennstoffzellensysteme. Hier verfolgen wir konsequent einen Digital-First-Ansatz und begleiten unsere Kunden von der Konzeption und Machbarkeitsstudien bis hin zum Betrieb. Durch Datenkontinuität von Beginn an schaffen wir die Basis für eine effizientere und kostengünstigere Wasserstoffproduktion und -nutzung.

H2Raum: Wo liegt Ihrer Meinung nach die Bedeutung von Wasserstoff für die Energiewende?

Dr. Oliver Hegen: Einen großen Teil der Energiewende können wir auch ohne Wasserstoff erreichen – etwa durch Direktelektrifizierung, stationäre Batteriespeicher, E-Mobilität und intelligentere Netze. Für die letzten 10 bis 20 Prozent der Defossilisierung und insbesondere für Hard-to-Abate-Sektoren wie Luft- und Schifffahrt sind Wasserstoff und seine Derivate jedoch unverzichtbar. Wichtig ist: Mit dem großskaligen Aufbau dieser Technologien dürfen wir nicht warten, sondern müssen heute die Grundlagen schaffen.

H2Raum: Was ist wichtig, um den Wasserstoffhochlauf erfolgreich umzusetzen?

Dr. Oliver Hegen: In Deutschland haben wir die Infrastruktur auf den Weg gebracht und die ersten Elektrolyseanlagen erfolgreich in Betrieb genommen. Entscheidend ist nun der Aufbau einer verlässlichen Nachfrage, damit weitere Anlagen folgen können. Ein wichtiger Schritt ist die im Dezember beschlossene RFNBO-Quote, die Wasserstoff und E-Fuels einschließt.

H2Raum: Also die Quote für Renewable Fuels of Non-Biological Origin, die zur Nutzung erneuerbarer Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs verpflichtet, um die Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) zu erfüllen.





Dr. Oliver Hegen: Ja, genau! Sie gilt rückwirkend ab 2026 mit 0,1 % für Kraftstoffanbieter und steigt schrittweise auf 1,2 % im Jahr 2030 und 8 % bis 2040. Grundsätzlich begrüße ich diese Entscheidung, da sie einen wichtigen Startpunkt setzt und Projektentwicklern im zahlungsstarken Verkehrssektor Planungssicherheit bietet. Gleichzeitig denke ich, dass wir als Land durchaus mutiger sein könnten und bereits 2 % bis 2030 anstreben sollten.

H2Raum: Warum sind digitale Innovationen für den Wasserstoffhochlauf entscheidend?





Dr. Oliver Hegen: Was wäre, wenn ich bereits vor dem Bau einer Anlage alle relevanten Lastszenarien simulieren und das System optimal auf lokale Gegebenheiten auslegen könnte? Nichts wäre über- oder unterdimensioniert, die CAPEX ( Capital Expenditure ) würden sinken und durch einen stabileren Betrieb auch die OPEX (Operational Excellence). Oder wenn ich 24 Stunden im Voraus wüsste, wie viel erneuerbare Energie verfügbar ist, und den Elektrolysebetrieb entsprechend planen könnte – ganz nach dem Motto „keine Überraschungen“? Oder wenn ich mithilfe Künstlicher Intelligenz Muster im Verhalten eines PEM-Elektrolyse-Stacks erkenne, die dem Menschen verborgen bleiben, Wartungen frühzeitig planen und langfristig durch datenbasierte Designanpassungen Qualität und Lebensdauer steigern könnte? All das ist heute bereits möglich. Die eigentliche Innovation besteht darin, diese Technologien konsequent einzusetzen – und genau das passiert noch viel zu selten.

H2Raum: Warum braucht es gerade im Ruhrgebiet eine Wasserstoffwirtschaft?





Dr. Oliver Hegen: Das Ruhrgebiet ist prädestiniert für Wasserstoff. Es gibt dort eine enorme industrielle Nachfrage, etwa aus der Stahl- und Chemieindustrie, eine bestehende Infrastruktur mit Pipelines und Häfen sowie eine exzellente Forschungslandschaft mit zahlreichen renommierten Universitäten und Instituten. Hinzu kommt die strategisch hervorragende Lage im Herzen Europas. Gelingt hier der erfolgreiche Aufbau, kann das Ruhrgebiet zu einem zentralen Motor und Knotenpunkt der Wasserstoffversorgung in Deutschland und Zentraleuropa werden.



H2Raum: Arbeiten Sie aktuell an Projekten, für die Sie Partner suchen?







Dr. Oliver Hegen: Wir sind offen für Kooperationen in Forschung und Entwicklung, insbesondere im Umfeld von Elektrolyseuren, Brennstoffzellensystemen, stationären Batteriespeichern und innovativer Energieinfrastruktur. Ob Universität, Forschungsinstitut oder Unternehmen: Die Energiewende ist eine Gemeinschaftsaufgabe, und wir freuen uns, gemeinsam einen spürbaren Beitrag zu leisten.



H2Raum: Mit welchen Fragestellungen können sich Unternehmen an Sie wenden?





Dr. Oliver Hegen: Zum Beispiel: Wie steigere ich die Effizienz meines Elektrolyseurs oder Brennstoffzellensystems? Wie automatisiere und skaliere ich meine Fertigung intelligent und eliminiere Engpässe, etwa in der Supply Chain? Oder: Ich möchte meine Wasserstoffgestehungskosten um rund zehn Prozent senken – welche Maßnahmen sind dafür notwendig?

Das sind nur einige Beispiele. Ganz generell kommen Unternehmen mit den unterschiedlichsten Fragestellungen zu uns, von Strategie, über Digitalisierung, bis hin zum Engineering. Da helfen wir gerne weiter. Nur beim Bauen vor Ort müssen wir abwinken.

H2Raum: Zu welchen Fragestellungen würden Sie sich gerne mit Forschenden austauschen?





Dr. Oliver Hegen: Mich interessieren besonders aktuelle Entwicklungen rund um PFAS-freie Membranen für PEM-Elektrolyseure – da kommt eindeutig der Chemiker in mir durch. Darüber hinaus finde ich den Austausch über den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Forschungslandschaft und mögliche Anwendungsfälle äußerst spannend. Ich bin überzeugt, dass hier in Deutschland noch sehr viel ungenutztes Potenzial liegt.

H2Raum: Unter welchen Kontaktdaten kann man Sie erreichen?





H2Raum: Vielen Dank für das tolle Gespräch!