Eine Blogserie vom H2Raum

Wasserstoff im Gespräch mit Dr. Christian Spitta

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Dr. Christian Spitta leitet am Zentrum für Brennstoffzellen-Technik GmbH (ZBT) in Duisburg die Abteilung Wasserstoff-Infrastruktur und forscht dort seit vielen Jahren an der praktischen Umsetzung der Wasserstoffwirtschaft. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Frage, wie Wasserstoff nach der Erzeugung zuverlässig und sicher zu den Anwendern in der Industrie gelangt bzw. an Fahrzeuge abgegeben wird. Dabei untersucht er unter anderem die Qualität von Wasserstoff, entwickelt Konzepte für Transport- und Speicherlösungen und arbeitet an effizienten Abfüll- und Tankstellensystemen. Christian Spitta ist interessiert an Technologiepartner, die an der Qualität und Reinigung von Wasserstoff sowie an Wasserstoff-Abfüllanlagen und -Tankstellen arbeiten.

H2Raum: Stellen Sie sich bitte unseren Lesenden kurz vor

Dr. Christian Spitta: Mein Name ist Christian Spitta, seit 2020 leite ich die Abteilung Wasserstoff-Infrastruktur am ZBT in Duisburg. Vor 25 Jahren habe ich mich der Forschung und Entwicklung zum Thema Wasserstoff verschrieben – und es bis heute nicht bereut. Im Gegenteil, noch mehr als damals bin ich überzeugt, dass Wasserstoff in unserem zukünftigen Energiesystem eine wesentliche Rolle einnehmen wird!

H2Raum: was ist ihr Forschungsschwerpunkt am ZBT?

Dr. Christian Spitta: Mein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Distribution von Wasserstoff, insbesondere auf der sogenannten letzten Meile zu konkreten Anwendungen in Mobilität und Industrie. Uns beschäftigt also die Frage, wie Wasserstoff zuverlässig, sicher und wirtschaftlich dorthin gebracht und abgegeben werden kann, wo er tatsächlich gebraucht wird.

H2Raum: Woran arbeiten Sie aktuell im Bezug auf das Thema Wasserstoff?

Dr. Christian Spitta: Aktuell beschäftigen mein Team und ich uns mit mehreren Fragestellungen entlang der Wasserstoff-Versorgungskette. Ein zentrales Thema ist die Gasbeschaffenheit, also die Reinheit von Wasserstoff in der Infrastruktur. Hier untersuchen wir, welche Qualität der Wasserstoff in der Infrastruktur tatsächlich hat, welche Anforderungen unterschiedliche Anwendungen stellen und wie kostengünstige Reinigungssysteme aussehen können.

Ein weiterer Schwerpunkt sind sichere und kosteneffiziente Abfüllstationen beziehungsweise Tankstellen. Gerade für Anwendungen in der Mobilität aber auch der Industrie braucht es Anlagen, die nicht nur technisch zuverlässig sind, sondern auch wirtschaftlich betrieben werden können.

Darüber hinaus befassen wir uns mit dem regulatorischen Rahmen und der technischen Umsetzung für sogenannte MEGCs, also Multiple-Element Gas Container. Diese können als mobilen Speicher und beim Transport von Wasserstoff auf der Straße, der Schiene oder auf Binnenwasserstraßen eine wichtige Rolle spielen. Hier geht es unter anderem um sichere Befüll- und Entnahmeprozesse sowie um einheitliche technische Standards.

H2Raum: Wo liegt Ihrer Meinung nach die Bedeutung von Wasserstoff für die Energiewende?

Dr. Christian Spitta: Wasserstoff wird aus meiner Sicht ein zentraler Baustein der Energiewende sein, weil er dort Lösungen bietet, wo Elektrifizierung allein an Grenzen stößt. Deutschland wird auch langfristig einen großen Teil seiner Energie importieren müssen. Heute geschieht das vor allem über fossile Energieträger wie Erdgas oder Öl. In Zukunft werden wir dafür klimaneutrale Energieträger benötigen, etwa Wasserstoff oder Wasserstoff-Derivate.

Hinzu kommt die Speicherfrage. Strom lässt sich im Netz mittels Batterien nur begrenzt speichern, insbesondere wenn es um längere Zeiträume geht. Für die mittel- und langfristige Speicherung von erneuerbarem Strom kann Wasserstoff eine wichtige Funktion übernehmen. Hier wird die dezentrale Wasserstofferzeugung in Deutschland und Europa mittels Elektrolyse eine wichtige Rolle einnehmen.

Wasserstoff ermöglicht eine räumliche und zeitliche Entkopplung von Energieerzeugung und Energienutzung. Erneuerbarer Strom wird nicht immer dort und zu dem Zeitpunkt erzeugt, an dem Industrie, Mobilität oder andere Verbraucher Energie benötigen. Wasserstoff kann dazu beitragen, diese Lücke zu schließen, indem er Energie speicher- und transportierbar macht. Dies gilt insbesondere für Anwendungen mit hohem Energiebedarf in der Industrie, etwa bei Hochtemperaturprozessen, sowie im Mobilitätssektor, beispielsweise an Betriebshöfen, Logistikstandorten oder Autohöfen.

H2Raum: Wieso benötigen wir gerade im Ruhrgebiet eine Wasserstoffwirtschaft?

Dr. Christian Spitta: Das Ruhrgebiet ist ein Industriestandort mit einem hohen Energiebedarf und vielen energieintensiven Prozessen. In bestimmten Bereichen, insbesondere bei Hochtemperaturprozesswärme, ist Wasserstoff eine wichtige Option, um fossile Energieträger zu ersetzen und industrielle Wertschöpfung klimaneutral weiterzuentwickeln.

Gleichzeitig gibt es in der Region viele Logistikunternehmen, kommunale Flotten und ÖPNV-Betreiber. Lkw, Busse und andere schwere Nutzfahrzeuge können künftig wichtige Wasserstoffanwendungen sein, insbesondere dort, wo hohe Reichweiten, kurze Betankungszeiten und ein hoher täglicher Energiebedarf gefragt sind.

Das Ruhrgebiet vereint damit mehrere Voraussetzungen für eine Wasserstoffwirtschaft: industrielle Nachfrage, dichte Verkehrsströme, große Mobilitätsbedarfe und bestehende Infrastrukturkompetenz. Genau deshalb kann die Region eine wichtige Rolle beim Hochlauf von Wasserstofftechnologien spielen.

H2Raum: Arbeiten Sie aktuell an konkreten Projekten, für die sie Partner suchen?

Dr. Christian Spitta: Wir sind grundsätzlich an Partnern entlang der gesamten Wasserstoff-Versorgungskette interessiert. Besonders spannend sind Technologiepartner, die Lösungen zur Analyse der Gasbeschaffenheit und zur Reinigung von Wasserstoff entwickeln. Darüber hinaus suchen wir Unternehmen, die gemeinsam mit uns sichere, effiziente und wirtschaftliche Komponente sowie Betriebsprozesse für Abfüllanlagen bzw. Tankstellen zur Abgabe und Verteilung von Wasserstoff entwickeln möchten.

H2Raum: Mit welchen Fragestellungen oder Projekten können sich Unternehmen an sie wenden?

Dr. Christian Spitta: Unternehmen können sich an uns wenden, wenn sie Fragestellungen rund um den Einsatz von Wasserstoff in ihrem Unternehmen haben. Wie sehen mögliche Versorgungskonzepte aus? Welche Qualität hat der eingesetzte Wasserstoff, wie sehen innovative Technologien zur Reinigung aus?

Weiterhin bieten wir mit dem Wasserstoff-Testfeld Unternehmen optimale Möglichkeiten Komponenten und Prozesse der gesamten Wasserstoffwertschöpfungskette unter Realbedingungen zu entwickeln und zu testen. Darüber hinaus können wir mit dem Wasserstoffqualitätslabor Hy-Lab die Gasbeschaffenheit entlang der Wertschöpfungskette analysieren

Unternehmen, die neue Wasserstofflösungen entwickeln oder in bestehende Prozesse integrieren möchten, stehen häufig nicht nur vor technischen, sondern auch regulatorischen, sicherheitstechnischen und emissionstechnischen Unsicherheiten. Bei diesen Fragestellungen können wir unterstützen.

H2Raum: Zu welchen Fragestellungen würden sie sich gerne mit der Vertreterin oder dem Vertreter eines mittelständigen Unternehmen austauschen?





Dr. Christian Spitta: Besonders interessant wäre für uns der Austausch über konkrete Wasserstoffbedarfe mittelständischer Unternehmen. Dabei geht es nicht nur um die Frage, welche Mengen benötigt werden, sondern auch um die technischen Rahmenbedingungen: Welche Reinheit ist erforderlich? Welches Druckniveau wird gebraucht? Wird gasförmiger Wasserstoff benötigt oder kommen auch Derivate infrage?

Solche Informationen sind wichtig, um Versorgungslösungen realistisch zu planen und Technologien zielgerichtet weiterzuentwickeln. Der Mittelstand spielt beim Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft eine wichtige Rolle, sowohl zur Entwicklung technischer Lösungen als auch als mögliche Abnehmer und Nutzer. Deshalb ist der direkte Austausch über mögliche technische Zusammenarbeiten, aber auch über Bedarfe, Hemmnisse und praktische Anforderungen für uns sehr wertvoll.

H2Raum: Unter welchen Kontaktdaten kann man Sie ansprechen?

Dr. Christian Spitta Am besten bin ich per Mail erreichbar unter:  c.spitta@zbt.de .

H2Raum: Vielen Dank für das tolle Gespräch!