H2Raum-Sprecher im Interview

Q&A mit Dr.-Ing. Thomas Naber

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Mit Prof. Dr.-Ing. Thomas J. Naber übernimmt ein erfahrener Experte aus Industrie und Wissenschaft die Rolle eines Sprechers im H2Raum. Im Interview spricht er über seinen beruflichen Werdegang, seine Ziele für das Netzwerk und die Bedeutung von Wasserstoff für die Energiewende, insbesondere im Ruhrgebiet. Dabei wird deutlich: Es geht weniger um Visionen auf dem Papier, sondern vor allem um konkrete Anwendungen, starke Kooperationen und die Verbindung von Forschung, Wirtschaft und Politik.

H2Raum: Können Sie sich und Ihren Werdegang bitte kurz vorstellen?

Thomas Naber: Ich wurde 1968 geboren und habe nach meiner Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker von 1991 bis 1994 Maschinenbau an der FH Köln studiert. Anschließend war ich von 1994 bis 2007 bei Schmitz Cargobull in Altenberge tätig, wo ich verschiedene Leitungsfunktionen in den Bereichen Produktion und Entwicklung übernommen habe. Parallel dazu habe ich von 1997 bis 1999 ein berufsbegleitendes Studium im Wirtschaftsingenieurwesen an der FH Magdeburg absolviert.

Von 2007 bis 2010 habe ich an meiner Industrie-Dissertation in Zusammenarbeit mit Knorr-Bremse in München sowie dem Institut für Kraftfahrwesen an der RWTH Aachen gearbeitet, die ich 2011 mit der Promotion abgeschlossen habe. Anschließend war ich drei Jahre als Entwicklungsleiter bei SAF-Holland in Bessenbach tätig, bevor ich 2013 ins Münsterland zurückgekehrt bin und bei Lichtgitter die technische Geschäftsführung übernommen habe.

2014 wechselte ich zur Wilhelm Severt Maschinenbau GmbH in Vreden als Entwicklungs- und Vertriebsleiter für Schweißrobotersysteme. Seit 2018 bin ich Professor an der Westfälischen Hochschule am Campus Bocholt im Fachbereich Maschinenbau und aktuell Dekan. Meine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Qualitätsmanagement, Produktionssysteme sowie Robotik und Automation. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder.

H2Raum: Welche Aufgaben übernehmen Sie künftig im H2Raum? Worauf liegt Ihr Fokus?

Thomas Naber: Als Sprecher sehe ich meine Aufgabe darin, die Aktivitäten im Netzwerk zu koordinieren, zu bündeln und klar nach innen und außen zu vertreten. Mir ist es wichtig, die Perspektiven aus Forschung, Politik, Industrie und Anwendung stärker zusammenzuführen und daraus eine gemeinsame Linie zu entwickeln. Durch meine enge Vernetzung in der Wirtschaft liegt mein Fokus insbesondere darauf, konkrete Projekte voranzubringen und den Transfer von der Idee in die Umsetzung zu beschleunigen. Es geht mir darum, weniger über Wasserstoff zu sprechen, sondern ihn tatsächlich in die Anwendung zu bringen.

H2Raum: Was ist Ihrer Meinung nach die zentrale Aufgabe des H2Raums? Warum ist unser Netzwerk wichtig für Unternehmen, Forschung und Politik?

Thomas Naber: Der Hype um den Wasserstoff ist in den letzten Jahren etwas abgeklungen, während batterieelektrische Lösungen durch ihren vergleichsweise einfachen und effizienten Aufbau schnell in Richtung Serienreife entwickelt wurden. Dennoch gibt es weiterhin wichtige Forschungsfelder, in denen Wasserstoff eine vielversprechende Zukunftstechnologie bleibt. Die zentrale Aufgabe des H2Raums sehe ich darin, Wasserstofflösungen in einem realen Umfeld zu erproben und skalierbar zu machen. Ziel ist es, aus einzelnen Ansätzen integrierte Systeme zu entwickeln – insbesondere im Zusammenspiel von Energie, Infrastruktur und Nutzung.

Das Netzwerk ist deshalb so wichtig, weil diese Herausforderungen nicht isoliert gelöst werden können. Unternehmen bringen die Umsetzungskompetenz ein, die Forschung liefert Innovationen und die Politik schafft die passenden Rahmenbedingungen. Der H2Raum bietet die Plattform, auf der diese Akteure gemeinsam schneller zu tragfähigen Lösungen kommen können.

H2Raum: Welche Themen oder Projekte liegen Ihnen bezüglich des H2Raums besonders am Herzen?

Thomas Naber: Mir ist besonders wichtig, dass wir uns auf Anwendungen konzentrieren, bei denen Wasserstoff einen echten Mehrwert bietet, also dort, wo eine reine Elektrifizierung an ihre Grenzen stößt. Dazu gehören vor allem industrielle Anwendungen, etwa der Einsatz von Wasserstoff als Brenngas, sowie mobile Anwendungen, bei denen das hohe Gewicht von Batterien nicht praktikabel ist. Darüber hinaus sehe ich auch im nicht-industriellen Bereich Potenziale, beispielsweise bei der Speicherung erneuerbarer Energien, da Wasserstoff hier durch seine gute Speicherfähigkeit Vorteile bietet.

Ein zentraler Punkt ist für mich außerdem die systemische Betrachtung: Erzeugung, Speicherung und Nutzung von Wasserstoff dürfen nicht getrennt voneinander gedacht werden. Nur wenn wir diese Bereiche zusammenführen, kann Wasserstoff als Teil eines funktionierenden Energiesystems effektiv eingesetzt werden.

H2Raum: Welche Rolle spielt Wasserstoff aus Ihrer Sicht konkret für die Energiewende im Ruhrgebiet?

Thomas Naber: Das Ruhrgebiet hat als Industrieregion einen besonders hohen Energiebedarf und steht gleichzeitig vor großen Herausforderungen bei der Dekarbonisierung. Wasserstoff kann hier eine Schlüsselrolle spielen, insbesondere in der Industrie und bei Anwendungen, die sich nur schwer elektrifizieren lassen. Gleichzeitig bietet die Region mit ihrer bestehenden Infrastruktur und der hohen Dichte an relevanten Akteuren sehr gute Voraussetzungen, um Wasserstofflösungen schnell zu erproben und breit umzusetzen.

Entscheidend ist dabei, Wasserstoff gezielt dort einzusetzen, wo er den größten Nutzen bringt, und ihn sinnvoll mit anderen Technologien zu kombinieren. An der Westfälischen Hochschule arbeiten wir bereits an entsprechenden Ansätzen, beispielsweise in Projekten, in denen wir Know-how aus der Wasserstoff- und Batterietechnologie miteinander verknüpfen.