Umstellung auf Wasserstoff – Was brauchen Unternehmen?

Im Rahmen einer Präsenzveranstaltung in Gelsenkirchen Ende März haben wir uns mit Unternehmensvertreter:innen zum Thema Wasserstoff ausgetauscht: Was benötigen sie an Unterstützung, welche Fragen haben sie an die Politik, die Wirtschaft oder die Wissenschaft? Insgesamt waren an diesem Tag rund 80 Personen der Einladung zum Vernetzungstreffen unter dem Titel „Neue Materialien für die Wasserstofferzeugung: Eine Perspektive für die Industrie“ gefolgt.
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Gleich zu Beginn wollten wir wissen „Was kann der H2Raum für den Mittelstand tun?“ Insgesamt deckten die Antworten sechs Themenfelder ab: Ganz vorn stand dabei der Wunsch nach Unterstützung im „Förderdschungel“. Dies scheint eine große Hürde für KMU zu sein. Ebenfalls wichtig: Informationen und/oder Veröffentlichungen zum Bereich Wasserstoff zur Verfügung zu stellen, Potentiale von Wasserstoff und neue Geschäftsfelder mit Wasserstoff aufzuzeigen. Auch der Vernetzungsgedanke war den Teilnehmenden wichtig – die sich selbst übrigens zu 80% als „voll motiviert“ einstuften. Etwas ab fielen dagegen die Antworten, die sich Unterstützung bei der Schaffung von Infrastrukturen, wie etwa dem Wasserstoff-Kernnetz (Link auf: h2raum_blog_24febr_wasserstoffkernnetz | H2Raum), oder von Normen wünschten. Etwas, was wir im H2Raum tatsächlich nur indirekt vorantreiben können.

H2Raum Werkstattbereich Neben den Fördermöglichkeiten, die der H2Raum im Rahmen von Werkstattprojekten bietet, gibt es natürlich eine Fülle weiterer Fördermöglichkeiten. Auf der Website des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (Link auf: One-Stop-Shop - Wasserstoff - Förderberatung – Lotsenstelle Wasserstoff (bmwk.de) sind diese nicht nur hinterlegt, sondern dort gibt es auch die Möglichkeit, Kontakt zu Förderexpert:innen aufzunehmen. Konkrete Hilfe kann der H2Raum anbieten, was die Untersuchung von Potentialen von Wasserstoff für die Unternehmen bzw. die Entwicklung neuer Geschäftsfelder mit Wasserstoff angeht. Als „arbeitendes Netzwerk“ sorgen wir nicht nur für Vernetzung, sondern können in unserem Werkstattbereich auch eigenständige Projekte ansiedeln, die sich mit Branchenlösungen beschäftigen. Sprechen Sie dazu gerne unsere Innovationsmanager:innen (Link auf: Kontakt | H2Raum) an.

Podium hochrangig besetzt An unserer anschließenden Podiumsdiskussion nahmen Josef Hovenjürgen, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Ministerin für Heimat, Kommunales, Bauen und Digitalisierung des Landes NRW, Prof. Dr. Bernd Kriegesmann, Präsident der Westfälischen Hochschule und Direktor des Instituts für Innovationsforschung und -management (ifi), Benedikt Hölker, Ausschussmitglied im Ausschuss für Umwelt, Nachhaltigkeit, Klimaschutz als sachkundiger Bürger und Julian Eßler, Prokurist und Leiter Technik der RS Rittel GmbH, als Vertreter der Wirtschaft teil. Die Besucher und Besucherinnen der Podiumsdiskussion konnten ihre Fragen direkt an die jeweiligen Vertreter stellen.

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Wissenschaft und Wasserstoff Professor Bernd Kriegesmann antwortete auf die Frage, ob die Westfälische Hochschule unter den First Movern bzgl. Wasserstoff gewesen sei: „Ich weiß nicht, ob wir First Mover waren, aber sicherlich haben wir uns schon als eine der ersten Hochschulen mit diesem Thema auseinandergesetzt“. Gefragt nach der Umsetzung des H2SolutionLabs in der Hochschule, setzte er eine Zeitachse von ca. fünf Jahren an. Und Professor Christian Doetsch vom Fraunhofer UMSICHT warf aus dem Publikum ein, dass „Wasserstoff kein Produkt ist, das ein Endkunde, also Bürger, aller Voraussicht nach nutzen wird, sondern ein Energieträger für die Industrie – Stahl, Glas etc. Daher ist hier der Bürger kein Nutzer, sondern eher indirekt positiv betroffen, da eine ökonomisch und ökologisch konkurrenzfähige Industrie in seiner Nachbarschaft für die Wertschöpfung, Arbeit etc. natürlich wichtig ist. Aber auch nur indirekt negativ betroffen dadurch, dass Wasserstoff im Regelfall in unterirdischen evtl. sogar schon vorhanden Pipelines transportiert wird, und damit für den Endkunden eher geringe Umweltauswirkungen auftreten.“

Wünsche an Politik, Wissenschaft und Wirtschaft So bezog sich eine Frage auf den Zielkonflikt Wirtschaft vs. Klimaschutz: „Klimaschutz vorantreiben und Wirtschaft stärken: Wie geht das voran und welche Rolle spielt hier der Wasserstoff?“ wollte einer der Besucher wissen. Die pragmatische Antwort von Josef Hovenjürgen: „Um die Wirtschaft zu stärken, ist es erstmal wichtig, genügend Wasserstoff zu haben, egal aus welchen Quellen er kommt.“ Er halte es für unrealistisch, dass der gesamte Wasserstoffbedarf auf absehbare Zeit grün gedeckt werden könne. Und auch Julian Eßler, als Wirtschaftsvertreter dämpfte die hohen Erwartungen an Wasserstoff: „Wir müssen vor allem wettbewerbsfähig bleiben! Die Konkurrenz ist nicht das Nachbarunternehmen im Nachbarort, sondern die Großindustrie in China etc. Nur wenn Wettbewerbsfähigkeit gesichert ist, kann man über Wasserstoff nachdenken.“