"Transfer breiter denken" H2Raum bei der FORTRAMA Jahrestagung 2024

Der H2Raum blickt zurück auf drei ereignisreiche Tage bei der FORTRAMA Jahrestagung vom 11. bis 13. März in Regensburg. Meine Kollegin Hannah Kubitza und ich hatten Gelegenheit, einen Workshop mit zu gestalten. Unsere Erkenntnis: Transfer wird heute in Hochschulen viel breiter gedacht als früher, als mit Technologietransfer nur die Überführung des durch Forschung generierten Wissens in die Wirtschaft oder die Gesellschaft gemeint war.

Von links nach rechts: Hannah Kubitza, Gesine Hahn und Anna Zweigardt

Neue Wege von Transfer – Workshop des H2Raums Forschung und Transfer erfahren in den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW/FH) eine zunehmend differenzierte Ausprägung und Bedeutung. Dieser Wandel ist neben dynamischen Entwicklungen im wissenschaftlichen Umfeld auch auf das sich wandelnde Selbstverständnis der HAW/FH zurückzuführen: als Orte, an denen Lehre, Forschung und Transfer zusammen gedacht werden. Transfer in HAW/FH spielt also eine immer wichtigere Rolle und hat sich als zentraler Bestandteil der Hochschulprofile etabliert. Es gilt nun, diesen Prozess aktiv zu gestalten und in den HAW/FH die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft innovativen Transfers zu stellen. In Regensburg gab es auch dieses Jahr vielzählige Weiterbildungs- und Austauschangebote. Für den H2Raum trugen Hannah Kubitza und ich gemeinsam mit Anna Zweigardt von der Initiative Inno!Nord (Hochschule Flensburg) den Workshop „Selbstverständnis und Wirkung von Transfer – Neue Wege von Transfer für HAW und FH“ bei. Er richtete sich an Beschäftigte aus forschungs- und transferunterstützenden Bereichen von HAW/FH. Dass der Workshop ausgebucht war macht deutlich, wie groß das Interesse an dem Thema in den Hochschulen ist.

Dankesgeschenk von Fortrama
Teilnahmeausweis von Gesine Hahn
Rote Skulptur vor dem Veranstaltungsgebäude auf dem Campus am Galgenberg in Regensburg
Impressionen von der FORTRAMA Jahrestagung 2024 in Regensburg
Zur Vorbereitung hatten wir den Teilnehmenden einige Fragen zu Transferverständnis, Transferstrategien der HAW/FH und zu den dort genutzten und etablierten Transferformaten gestellt. Nach einer Kurzvorstellung der beiden Transferraum-Initiativen H2Raum und Inno!Nord haben wir diese im Vorfeld abgefragten Informationen in aufbereiteter Form im Workshop vorgestellt. Das diente als Einstieg in den Austausch der teilnehmenden Forschungs- und Transfermanager:innen aus dem gesamten Bundesgebiet. Wir tauschten uns über Transfer-Definitionen, Transferstrategien, Bewährtes und mögliche neue Transferformate aus. Mittels des Online-Tools Mentimeter haben wir die Ergebnisse dann zusammengetragen.

Transferverständnis im Wandel, Transferstrategie nur teilweise vorhanden Der Workshop zeigt: Es entwickelt sich zunehmend ein sehr breites Verständnis von Transfer. Transfer inkludiert dabei alle Bereiche: Publikationen, Lehre, Alumni, Nachwuchsförderung, Gesellschaft, der Transfer über Köpfe und Projekte. Die Hochschulen sehen sich dabei als Partner von/für ihre jeweilige Region. Bei der Frage nach Transferstrategien zeigte sich: Es gibt noch viel zu tun. Einige Teilnehmende gaben an, (noch) keine Transferstrategie oder nur sehr allgemeine, veraltete Strategien zu haben. Oftmals finden sich in die Hochschulentwicklungspläne (HEP) integrierte Strategien, die allerdings sehr allgemein verfasst und wenig bekannt sind. Eine Person gab an: „Es liegt eine in der Schublade, die aber nicht gelebt wird.“ Als wesentliche Herausforderung haben wir identifizieren können, dass eine Transferstrategie schwer zu entwickeln ist. Hintergrund ist, dass es sehr diverse Anwendungen in den Häusern gibt und viele Personen und Bereiche zu involvieren sind. Auch diskutierten die Teilnehmenden darüber, wie langwierig es sei, Transfer-Strukturen auszuarbeiten (lokal, regional, international), Stärken und Schwächen herauszuarbeiten und eine eigene Positionierung zu finden und darstellen zu können.

Transfer und H2Raum

Die Initiative H2!Raum – Mittelstand Ruhr 2030 (H2R) will Impulse aus der Wasserstoffforschung in die mittelständische Industrie geben, aber auch Erfahrungen aus der Wirtschaft zurück in die Forschung geben. Denn nur so können wir Innovationen in diesem Bereich fördern. Dazu entwickelt und prüft H2Raum neue Kooperations-, Interaktions- und Qualifizierungsformate – also neue Transferformate. Ziel unserer Initiative sind flexible Formate und Servicebausteine, die die mittelständische Wirtschaft dabei unterstützen, sich in eine Wasserstoffwirtschaft zu verwandeln. Dabei verstehen wir Transfer multidirektional und jederzeit auf Augenhöhe: Nicht nur die Wissenschaft verfügt über teilenswerte Inhalte. Auch alle anderen Partner, wie z. B. Unternehmen, können mit ihrem Know-how zur Wasserstoff-Wende beitragen.

Wie Transfer messen? Eine zentrale Herausforderung in diesem Kontext stellt stets die Frage der – sehr schwierigen und dennoch wichtigen – Messbarkeit von Transfer dar. Nils Berg, Evaluator des H2Raums, nutzte die Jahrestagung, um intensiv mit anderen Expert:innen Methoden der Erfolgsindikatorenmessung zu diskutieren: Wie lässt sich der Impact von Transferaktivitäten quantifizieren? Welche Indikatoren sind geeignet, um die Wirksamkeit von Transfer zu erfassen? Die meisten Anwesen-den sahen darin ein schwieriges Thema, insbesondere hinsichtlich Qualität, Quantität und Aufwand der Festlegung von sinnvollen Kennzahlen. Messbar ist beispielsweise die Anzahl von Patenten, Publikationen, Preise, Gründungen, Veranstaltungen, öffentlichen Events (inkl. Teilnehmendenzahl). Viele Daten und Informationen lassen sich jedoch schwer zusammentragen, weil sie sehr verteilt und kleinteilig vorliegen. Und auch wenn sich die Anzahl von etwas erfassen lässt, sagt sie mitunter wenig über die Qualität der Inhalte aus. Besonders die Entwicklung und Anwendung einer lndikatorik vor allem für nicht-technischen Transfer wird als äußerst schwierig wahrgenommen. Vieles – etwa gesellschaftlicher Impact – lässt sich nicht oder nur sehr schwer messen. Auch das „Transferbarometer“, ein gemeinsames Projekt von Stifterverband und Helmholtz-Gemeinschaft, nehmen viele als noch immer viel zu unkonkret für die praktische Arbeit im Transfer von Hochschulen wahr.

Fazit: Die Definition und die Messbarkeit von Transfer sind schwierige Themen Noch bevor neue, innovative Formate und Wege für Transfer entwickelt werden ist die Messbarkeit von effektivem und nachhaltigem Transfer ein schwieriges Thema, das für die Zuständigen eine große Herausforderung darstellt. Auch weil vielfach keine ausgearbeiteten Transferstrategien vorliegen, mit denen gearbeitet wird. Aktuell beschränken sich viele Hochschulen (noch) auf die quantitative Erfassung von Aktivitäten. Was wenig bis gar nicht erhoben wird, ist deren Wirksamkeit. Um den Transfer der Hochschulen auf ein neues Niveau zu heben braucht es adäquate Methoden und Instrumente zur Messung von Transferwirkungen.