V. l. n. r.: Max Krings, Mahmut Özdemir, Anna Grevé, Frank Balzer,
Join our community
4. Vernetzungsforum: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit – Wasserstoff im Realitätscheck
Es ist kurz vor neun Uhr im Fraunhofer InHaus-Zentrum Duisburg. Noch hört man Löffel in Kaffeetassen rühren, dazu leise Gespräche. Doch kurz nach 9.00 Uhr wird deutlich: Dieses vierte Vernetzungsforum von Mat4hy und H2Raum ist kein routiniertes Branchentreffen. Es geht um die Frage: Warum kommt der Wasserstoffhochlauf trotz technologischer Fortschritte nicht schneller voran und was ist konkret zu tun?

V. l. n. r.: Max Krings, Mahmut Özdemir, Anna Grevé, Frank Balzer,
Das Ruhrgebiet hat längst gezeigt, dass es innovative Wasserstoffprojekte umsetzen kann: In Duisburg wurde die erste Wasserstofftankstelle auf die Beine gestellt und am Klimahafen Gelsenkirchen wird an erneuerbaren Energien gearbeitet. First Mover brauchen aber nicht nur Innovationskraft, sondern auch Durchhaltevermögen im Dickicht aus Anträgen, Prüfungen und Genehmigungen. Auch die Forschung im Bereich Wasserstoff steht vor Herausforderungen: Unregelmäßige Förderzyklen erschweren langfristige Planung und kontinuierliches Arbeiten. Projekte starten mit Dynamik und geraten ins Stocken, wenn finanzielle Sicherheit fehlt.

Regulatorik: zwischen Notwendigkeit und Hemmnis
Spätestens an diesem Punkt verdichtet sich ein Thema, das nahezu alle Projekte verbindet: die Regulierung. Unklare europäische Vorgaben im Rahmen von RED II und RED III, langwierige Genehmigungsverfahren und fehlende einheitliche Definitionen erschweren Investitionsentscheidungen erheblich. Moderatorin Theresa Schredelseker, Wissenschaftsmanagerin beim Zentrum für Brennstoffzellentechnik, betont: „Planungssicherheit ist notwendig. Gleichzeitig ist es aber nicht Aufgabe des Staates, das unternehmerische Risiko vollständig abzufedern. Es braucht klare Leitplanken, kann aber keine Garantien oder Freifahrtscheine geben.“
Create Events
Basic analytics
Up to 1,000 subscribers
Theresa Schredelseker
Politische Perspektiven und offene Fragen
Mahmut Özdemir, Wasserstoffbeauftragter der SPD-Bundestagsfraktion, nimmt die Stimmen aus Wirtschaft und Forschung ernst. Die geschilderten Hürden seien ihm vertraut. Politisches Handeln müsse jetzt mit der Bereitschaft, Innovationen umzusetzen, Schritt halten. Aber, und hier sieht er eine positive Entwicklung: Das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz stehe bereit, in den Bundestag eingebracht zu werden. Zugleich plädiert Özdemir für mehr Mut, bestehende Regelungen kritisch zu hinterfragen. Insbesondere dann, wenn sie dem Standort schaden und notwendige Investitionen ausbremsen.
Im weiteren Austausch besonders im Fokus: die Rolle kleiner und mittlerer Unternehmen. Sie sind es, die Innovation in die Breite tragen und zugleich am stärksten unter Unsicherheit leiden. Anna Grevé von Fraunhofer UMSICHT beschreibt Forschung in diesem Zusammenhang als Brücke: Sie könne Orientierung geben, Risiken kalkulierbarer machen und Unternehmen dabei unterstützen, den Schritt von der Idee in den Markt zu gehen.
Aus der Podiumsdiskussion wurde klar, dass Verlässlichkeit, Pragmatismus und stabile Rahmenbedingungen entscheidend sind, damit das „Valley of Death“ zwischen Forschung und Anwendung nachhaltig überbrückt werden kann.
Vom Dialog zur Umsetzung
Fazit aus der Teilnehmendenrunde: Es liege nun bei der Politik, die formulierten Forderungen in konkrete Maßnahmen zu übersetzen!
In die gleiche Kerbe schlägt übrigens eine neu veröffentliche Studie des BDEW und Capgemini, vorgestellt auf der E-World 2026. Sie fordert die Politik auf, ins Handeln zu kommen. Demnach scheitere der Wasserstoffhochlauf nicht an mangelndem Interesse der Unternehmen, sondern an einer Vielzahl regulatorischer, wirtschaftlicher und infrastruktureller Risiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Investitionsbereitschaft sei grundsätzlich vorhanden, doch sie benötige verlässliche Leitplanken.
Vielen Dank an alle Teilnehmende für ein inspirierendes Event, wertvolle Kontakte und eine starke gemeinsame Vision für die Zukunft der grünen Wasserstoffwirtschaft!
Bildhinweise: Daniel Schindzielorz