
H2Raum-interviewreihe: Wasserstoff im Gespräch mit Dr. Birgitt Bendiek
Dr. Bendiek, die Geschäftsführerin von ZINQ, unterstreicht, dass die Energiewende nicht durch einfache Zuordnungen, sondern durch innovative Lösungen und die Vielfalt alternativer Energieträger gelingt. Für das Power2ZINQ-Projekt, bei dem hybride Heizsysteme entwickelt werden, sowohl grüne Elektronen als auch grüne Moleküle kombinieren, ist sie auf Partnersuche.
Inhaltsblöcke
H2Raum: Stellen Sie sich bitte kurz vor.
Dr. Birgitt Bendiek: Ich bin Metallurgin und Geschäftsführerin der ZINQ Group Deutschland. Nach meiner Promotion im Bereich der metallurgischen Prozesstechnik und Metallrecycling an der RWTH Aachen habe ich in der Industrie gearbeitet und bin 2005 zur ZINQ Gruppe gewechselt. Seit 2014 leite ich als Geschäftsführerin ZINQ Technologie GmbH & Co KG. Meine praktische Expertise umfasst neben Technologie- und Prozessmanagement auch die Themen Innovation und Nachhaltigkeit in der Oberflächentechnik. Ich bin in verschiedenen Gremien aktiv. Zudem engagiere ich mich in zahlreichen Ausschüssen zu Innovation und Nachhaltigkeit, wie dem Advisory Board des Clusters Dekarbonisierung der Industrie (CDI), der Fachgruppe Wasserstoffwirtschaft und Prozesswärme In4Climate NRW sowie im Lenkungskreis der Initiative H2!Raum. |
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H2Raum: Wo liegt Ihrer Meinung nach die Bedeutung von Wasserstoff für die Energiewende?
Dr. Birgitt Bendiek: Die Transformation unseres Energiesystems hin zur C02-Neutralität ist eine enorme Herausforderung. Folgerichtig kann diese Transformation nur mit möglichst vielen alternativen (kohlenstofffreien) Energieträgern gelingen. Und nur dann, wenn diese Energieträger in ausreichender Menge und einem wettbewerbsfähigen Preis zur Verfügung stehen. Der optimale Pfad zur Klimaneutralität kann nicht „top-down“ durch eine Zuordnung zu Branchen oder Temperaturniveaus festgelegt werden. Vielmehr muss der Komplexität und Vielfalt der Prozesse zur Wärmeerzeugung Rechnung getragen werden. Neben der Elektrifizierung mit grünem Strom erweist sich dabei die Umstellung auf grünen Wasserstoff in vielen Fällen als valide Option (siehe auch: Kurzstudie: Dekarbonisierung der industriellen Prozesswärme imenergie intensiven Mittelstand) unter Mitwirkung von ZINQ). Neben Grünstrom brauchen wir daher ausreichend Wasserstoff, um diesen alternativ bzw. flexibel in hybridisierten Prozesswärmeanlagen einsetzen zu können. |
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H2Raum: Wo liegt Ihrer Meinung nach die Bedeutung von Wasserstoff für die Energiewende?
Dr. Birgitt Bendiek: Als Geschäftsführerin der ZINQ Group bin ich verantwortlich für die Umsetzung der nachhaltigen und energetischen Transformation im Rahmen unseres zirkulären Geschäftsmodells „Planet ZINQ“. Dies umfasst insbesondere die Entwicklung und Umsetzung von Innovationsprojekten, die darauf abzielen, die industrielle Produktion energieeffizienter und nachhaltiger zu gestalten. Ein zentrales Thema dabei ist die Dekarbonisierung
industrieller Prozesse, etwa durch den Einsatz von Wasserstoff als Energieträger in der Prozesswärmeproduktion
H2Raum: Woran arbeiten Sie aktuell in Bezug auf das Thema Wasserstoff?
Dr. Birgitt Bendiek: Aktuell arbeiten wir an mehreren Projekten zur Integration von Wasserstoff in industrielle Prozesse. Ein herausragendes Projekt ist Power2ZINQ, bei dem wir hybride Systeme entwickeln, um Prozesswärme mit Wasserstoff und anderen erneuerbaren Energieträgern zu erzeugen (Energieträgerkopplung). Wir haben hierzu u. a. eine Studie gemeinsam mit dem Institut Fraunhofer UMSICHT, unterstützt durch die DBU , zur netzdienlichen Nutzung von Prozesswärme durch hybride Wärmeversorgung durchgeführt, um eine nachhaltige und resiliente Energieversorgung zu fördern. Außerdem nehmen wir an verschiedenen Förderprojekten teil, wie etwa de m H2!Rollout - Programm, das Wasserstofftechnologien in der Industrie vorantreibt. |
H2Raum: Arbeiten Sie aktuell an konkreten Projekten, für die Sie Partner suchen? Was wären das für Partner?
Dr. Birgitt Bendiek: Ja, wir sind in verschiedenen Projekten aktiv und suchen nach Partnern, die uns bei der Entwicklung und Umsetzung innovativer Lösungen unterstützen. Ein zentrales Projekt ist das Power2ZINQ-Projekt, bei dem wir Partner für die Entwicklung und Implementierung hybrider Heizsysteme suchen. Diese Systeme kombinieren Wasserstoff mit anderen erneuerbaren Energieträgern, um industrielle Prozesse nachhaltiger zu gestalten. Weitere Projekte umfassen den Einsatz eines hoch angereicherten Energiegases (60% H2) am Standort Gelsenkirchen und die bereits erwähnte Studie zur netzdienlichen Nutzung der Erzeugung von Prozesswärme durch hybride Wärmezufuhr, die fossile und erneuerbare Energieträger kombiniert. Zudem nehmen wir am BIK-Programm ( Bundesförderung Industrie und Klimaschutz ) teil, bei dem wir einen hybriden Verzinkungsofen entwickeln. Wir suchen insbesondere nach Forschungs- und Industriepartnern, die Erfahrung mit der Integration von Wasserstofftechnologien in industrielle Produktionsprozesse haben. |
H2Raum: Mit welchen Fragestellungen/Projekten können sich (andere) Unternehmen an Sie wenden?
Dr. Birgitt Bendiek: Andere Unternehmen können sich an uns wenden, wenn sie Lösungen zur Dekarbonisierung ihrer Prozesswärme suchen, insbesondere im Zusammenhang mit Wasserstoffanwendungen. Wir bieten Unterstützung bei der gemeinsamen Entwicklung hybrider Systeme, die fossile Brennstoffe durch Wasserstoff und andere erneuerbare Energieträger ersetzen können. Wir sind ebenfalls offen für Kooperationen, die neue Technologien und Konzepte entwickeln, um die Effizienz und Nachhaltigkeit in der Oberflächentechnik und Metallverarbeitung zu steigern. |
H2Raum: Zu welchen Fragestellungen würden Sie sich gerne mit der Vertreterin/dem Vertreter eines mittelständischen Unternehmens oder mit einem Forschenden austauschen?
Dr. Birgitt Bendiek: Ich würde mich gerne mit Vertretern mittelständischer Unternehmen und Forschenden zu verschiedenen Themen austauschen. Besonders interessieren mich die Potenziale der Wasserstoffanwendung in der Prozesswärme und die Möglichkeiten der Energieträgerkopplung – also der Kombination von Wasserstoff mit anderen erneuerbaren Energien zur effizienten Wärmeproduktion. Auch die Entwicklung regionaler Wasserstoff-Cluster, wie zum Beispiel im Klimahafen Gelsenkirchen, ist ein spannendes Thema. Darüber hinaus würde ich gerne mit Forschenden und Unternehmen über die Herausforderungen im Bereich Fachkräftemangel und die Preisbildung für kohlenstofffreie Energieträger sprechen. |
H2Raum: Unter welchen Kontaktdaten kann man Sie ansprechen?
Dr. Birgitt Bendiek: Sie können mich gerne per E-Mail: birgitt.bendiek@zinq.com kontaktieren
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