Eine Blogserie vom H2Raum

Wasserstoff im Gespräch mit Theresa Schredelseker

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Welche Rolle spielen Wissenschaftskommunikation, Vernetzung und Wissenstransfer für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft? Im Interview gibt Theresa Schredelseker vom ZBT – Zentrum für BrennstoffzellenTechnik Einblicke in ihre Arbeit im Wissenschaftsmanagement und der Kommunikation. Sie spricht über aktuelle Forschungsschwerpunkte des ZBT, von Brennstoffzellen und Elektrolyse über Wasserstoffinfrastruktur bis hin zu Wasserstoffderivaten, und erläutert, wie das Institut Unternehmen, Forschende und weitere Akteure bei der Entwicklung und Umsetzung innovativer Wasserstofflösungen unterstützt. Außerdem geht es um die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit, wissenschaftlicher Nachwuchsförderung und den Austausch zwischen Forschung, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft für eine erfolgreiche Energiewende.

H2Raum: Stellen Sie sich und Ihre Rolle am ZBT - Zentrum für BrennstoffzellenTechnik unseren Lesenden bitte kurz vor.

Theresa Schredelseker: Ich leite am ZBT die Stabsstelle Wissenschaftsmanagement und Kommunikation. Das heißt, ich arbeite mit einem Team an fachübergreifenden Fragen rund um wissenschaftliches Arbeiten, aber auch an der Außendarstellung des ZBT.

Im Wissenschaftsmanagement unterstützen wir unsere Fachabteilungen zum Beispiel bei der Erstellung von Forschungsförderanträgen und wissenschaftlichen Publikationen. Wir kümmern uns außerdem um Themen wie professionelles Forschungsdatenmanagement oder die Qualifizierung und Weiterbildung unserer wissenschaftlichen Mitarbeitenden, zum Beispiel im Rahmen von Promotionen.

In der Kommunikation reicht unser Aufgabenspektrum von redaktionellen Themen, also Website, Social Media oder Printprodukten, über Branding bis hin zu Veranstaltungen und Messeauftritten.

H2Raum: was ist ihr Forschungsschwerpunkt am ZBT?

Dr. Christian Spitta: Mein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Distribution von Wasserstoff, insbesondere auf der sogenannten letzten Meile zu konkreten Anwendungen in Mobilität und Industrie. Uns beschäftigt also die Frage, wie Wasserstoff zuverlässig, sicher und wirtschaftlich dorthin gebracht und abgegeben werden kann, wo er tatsächlich gebraucht wird.

H2Raum: Welche Aufgaben übernehmen Sie im Bereich Wissenschaftsmanagement und Kommunikation rund um Wasserstofftechnologien?

Theresa Schredelseker: Meine Aufgabe ist vor allem, die Qualität und Sichtbarkeit der wissenschaftlich-technischen Arbeiten am ZBT zu stärken, sie zu vernetzen und in größere Zusammenhänge einzuordnen. Das heißt: Mein Team und ich unterstützen Forschungsprojekte schon in der Antragsphase, helfen bei der Darstellung von Ergebnissen und sorgen dafür, dass Wissen nicht nur im Projekt bleibt, sondern auch für andere nutzbar wird.

Gerade im Bereich Wasserstofftechnologien gibt es viele relevante Akteure: Forschung, Industrie, Politik, Verbände, Netzwerke und natürlich auch die Öffentlichkeit. Deshalb müssen wir immer wieder überlegen: Mit wem sprechen wir gerade? Wo müssen wir vielleicht erst einmal zuhören, bevor wir erklären? Welche Fragen stehen im Vordergrund? Und in welcher Form können wir Inhalte so darstellen, dass sie präzise bleiben, aber trotzdem verständlich und nützlich sind?

H2Raum: Welche Rolle spielt Wissenschaftskommunikation dabei, Wasserstofftechnologien verständlich und zugänglich zu machen?

Theresa Schredelseker: Das ist sehr zielgruppenabhängig. Die Privatwirtschaft braucht Know-how und technische Lösungen, die insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) oft nicht ohne Weiteres allein entwickeln können. Da künftig weit mehr KMU mit Wasserstofftechnologien in Berührung kommen werden, als unmittelbar an Forschungsprojekten beteiligt sind, entsteht der größere Transformationshebel durch eine möglichst vollständige und wirksame Vermittlung der Ergebnisse – damit ein breiterer Kreis davon profitiert. Mich interessiert also besonders, wie sich mehr Publikationen, Open Access und Open Science auch an anwendungsnahen Forschungseinrichtungen verankern lassen.

Die Politik benötigt fundierte technische Einschätzungen als Grundlage für Normen, Standards und regulatorische Rahmenbedingungen – nicht nur punktuell, sondern in einem kontinuierlichen Austausch, der regelmäßiges Feedback und Nachsteuern ermöglicht. Die Frage, wie sich wissenschaftliche Evidenz stärker in politische Entscheidungen einbringen lässt, beschäftigt mich schon seit Langem besonders intensiv.Für die Öffentlichkeit geht es darum, Wasserstofftechnologien, ihre Funktionsweise und ihre Rolle in Energiewende und Transformation verständlich zu machen und so Akzeptanz zu fördern. Dazu beteiligen wir uns auch an Projekten mit besonderem Transferfokus, veranstalten jährlich einen Nachmittag der offenen Tür und suchen bei regionalen Veranstaltungen den direkten Austausch.

H2Raum: Warum ist aus Ihrer Sicht gerade das Ruhrgebiet als Standort für Wasserstoffforschung und Wasserstoffwirtschaft besonders relevant?

Theresa Schredelseker: Ich finde, das Ruhrgebiet ist ein sehr naheliegender Standort für Wasserstoffforschung und Wasserstoffwirtschaft. Hier gibt es eine starke industrielle Basis, viel Erfahrung im Ingenieurwesen und eine lange Tradition darin, große technische Infrastrukturen aufzubauen und weiterzuentwickeln.

Gleichzeitig steht die Region wie kaum eine andere für den Wandel von Energie- und Industriesystemen. Viele Unternehmen hier stehen direkt vor der Frage, wie sie ihre Prozesse defossilisieren können. Wasserstoff ist dabei nicht die einzige Antwort, aber ein sehr wichtiger Baustein, vor allem für Anwendungen, bei denen Elektrifizierung allein schwierig ist.

Für uns am ZBT ist das Ruhrgebiet deshalb ein idealer Ort: Wir sind nah an industriellen Anwendungen, nah an Unternehmen mit konkreten technischen Herausforderungen und gleichzeitig gut eingebunden in Forschungs- und Innovationsnetzwerke.

H2Raum: Welche aktuellen Entwicklungen oder Forschungsschwerpunkte im Bereich Wasserstoff beschäftigen das ZBT derzeit besonders?

Theresa Schredelseker: Das ZBT hat traditionell sehr viel Erfahrung im Bereich Brennstoffzellen. Inzwischen ist aber natürlich klar: Wenn Wasserstoff wirklich ein zentraler Baustein der Energiewende werden soll, dann muss er auch in ausreichender Menge grün erzeugt werden. Deshalb wenden wir unser Wissen verstärkt auch auf die Elektrolyse an.

Brennstoffzellen bleiben weiterhin ein wichtiges Thema, aber dazu kommen Fragen der Wasserstoffinfrastruktur, also zum Beispiel Speicherung, Betankung, Sicherheit und Regulierung. Außerdem beschäftigen uns Wasserstoffderivate wie Ammoniak oder synthetische Kraftstoffe. Es geht also nicht nur um eine einzelne Technologie, sondern um die ganze Kette: von der Erzeugung über das Handling bis zur Nutzung.

H2Raum: Wie unterstützt das ZBT die Vernetzung zwischen Forschung, Industrie und weiteren Akteur der Wasserstoffwirtschaft?

Theresa Schredelseker: Das ZBT ist ein anwendungsnahes Forschungsinstitut. Das bedeutet: In den meisten unserer Projekte stehen privatwirtschaftliche Partner und deren konkrete technische Fragestellungen im Zentrum. Es geht oft darum, bestehende Technologien weiterzuentwickeln, neue Lösungen zu testen oder bestimmte Anwendungen überhaupt erst möglich zu machen.

Wir arbeiten natürlich auch mit Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen zusammen, die stärker die Grundlagenforschung abbilden. Aber unser besonderer Schwerpunkt liegt auf der Schnittstelle zur Industrie. Teilweise geschieht das in öffentlich geförderten Forschungsprojekten, teilweise auch über direkte Aufträge von Unternehmen.

Dadurch bringen wir unterschiedliche Akteur zusammen: Forschung, Industrie, Netzwerke und manchmal auch Politik oder Verwaltung. Diese Übersetzungsarbeit zwischen den verschiedenen Perspektiven ist ein wichtiger Teil unserer Rolle.

H2Raum: Welche Bedeutung haben Austauschformate wie die ZBT Research School oder interdisziplinäre Zusammenarbeit für die Weiterentwicklung von Wasserstofftechnologien?





Theresa Schredelseker: Die ZBT Research School haben wir 2023 gegründet, kurz nachdem ich ans ZBT gekommen bin. Sie bringt vor allem jüngere Wissenschaftler:innen aus allen Abteilungen des ZBT zusammen. In einem wöchentlichen Seminar diskutieren wir wissenschaftliche Projekte und Ergebnisse, Promotionsfortschritte, aber auch aktuelle Publikationen aus dem Bereich.

Damit bleiben wir im Haus gut im Austausch: Was machen die anderen Abteilungen? Welche Methoden nutzen sie? Welche Fragen tauchen gerade auf? Gleichzeitig bleiben wir auch am Ball, was sich international in der Forschung tut. Besonders wertvoll ist dabei das Feedback und die Perspektiven der Kolleg:innen.

Seit 2024 haben wir außerdem ein Peer-Mentoring-Programm für Promovierende gestartet. Einmal im Jahr fahren wir gemeinsam auf ein Retreat, um uns intensiver mit bestimmten Forschungsmethoden auseinanderzusetzen. Und wir organisieren das ZBT Hydrogen Energy Symposium, das jährlich über 100 Wissenschaftler zusammenbringt, mit Vorträgen, Postersessions und viel Raum für wissenschaftlichen Austausch.

H2Raum: Mit welchen Fragestellungen oder Themen können sich Unternehmen, Forschende oder Netzwerke an Sie beziehungsweise das ZBT wenden?





Theresa Schredelseker: Thematisch eigentlich mit allem rund um Wasserstoff: von der Erzeugung, zum Beispiel durch Elektrolyse oder auch durch das Cracken von Ammoniak, über Handling und Speicherung bis hin zur Nutzung, etwa in Brennstoffzellen.

Unsere Stärke liegt vor allem im Technischen. Wir sind mit unseren Laboren sehr gut aufgestellt und tüfteln gerne an neuen Lösungen. Gleichzeitig testen und qualifizieren wir auch: von einzelnen funktionellen Materialien und Komponenten bis hin zu Stacks, die wir in unseren Testständen über längere Zeiträume und unter unterschiedlichen Bedingungen untersuchen können.

Und wir beraten natürlich auch, zum Beispiel zu technischen Fragen, zu Regulatorik, Normen, Standards oder Zertifizierung.

H2Raum: Unter welchen Kontaktdaten kann man Sie ansprechen?

Theresa Schredelseker: Man erreicht mich zum Beispiel per E-Mail unter  t.schredelseker@zbt.de . Weitere Informationen zum ZBT und zu unseren Forschungsthemen findet ihr auf unserer Website unter  www.zbt.de . Außerdem findet ihr mich auf  LinkedIn  und könnt euch dort gerne mit mir vernetzen.

Und am allerbesten ist natürlich: Kommt einfach mal vorbei, bei uns am ZBT in Duisburg :-)

H2Raum: Vielen Dank für das tolle Gespräch!