
H2Raum-Interviewreihe: Wasserstoff im Gespräch mit Prof. Ghazal Moeini
Prof. Ghazal Moeini von der Westfälischen Hochschule widmet sich der Frage, wie sich Prozesse, Mikrostrukturen und Werkstoffeigenschaften in Schweißverbindungen und der additiven Fertigung besser verstehen und gezielt nutzen lassen. Dabei hat sie insbesondere den industriellen Einsatz im Blick.
Darüber hinaus engagiert sich Ghazal Moeini im vom BMBF geförderten Projekt „Nachhaltig H2“, in dem praxisnahe Ausbildungsinhalte für den Beruf des Anlagenmechanikers entwickelt werden. Ihr Ziel ist es, zukunftsrelevantes Wissen rund um Wasserstofftechnologien frühzeitig in die Ausbildung zu integrieren.
Der Dialog mit der Praxis ist der Wissenschaftlerin dabei besonders wichtig: So interessieren sie vor allem Fragestellungen aus dem Mittelstand, etwa wie sich moderne Fügetechnologien effizient und wasserstofftauglich in bestehende Produktionsprozesse integrieren lassen.
Inhaltsblöcke
H2Raum: bitte stellen Sie sich den Lesern kurz vor
Moeini: Mein Name ist Ghazal Moeini und ich gehöre zu den wenigen Frauen, die ihre Leidenschaft für die Schweißtechnik entdeckt haben. Ich habe Maschinenbau mit Schwerpunkt Schweißtechnik studiert und in diesem Bereich promoviert. Seit einigen Jahren bin ich in der Forschung und Lehre tätig und setze mich mit großer Begeisterung für dieses faszinierende Fachgebiet ein. Als Professorin an der Fachhochschule habe ich die großartige Möglichkeit, praxisnahe Forschung zu betreiben und genau das finde ich einfach klasse.
H2Raum: Was ist Ihr Forschungsschwerpunkt an der Westfälischen Hochschule?
Moeini: Ich leite seit April 2020 das Lehr- und Forschungsgebiet Werkstoff- und Fügetechnik am Institut für Maschinenbau der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen. Mein Forschungsschwerpunkt liegt an der Schnittstelle zwischen Werkstoffwissenschaft und Fertigungstechnologie. Neben der klassischen Fügetechnik beschäftige ich mich intensiv mit der additiven Fertigung, insbesondere metallischer Werkstoffe, sowie mit der Werkstoffcharakterisierung, -modellierung und der mikromechanischen Simulation von Schweißverbindungen. Ein zentrales Ziel meiner bisherigen Forschung ist es, fundierte Zusammenhänge zwischen Prozessparametern, Mikrostruktur und Werkstoffeigenschaften in Schweißverbindungen und der additiven Fertigung aufzudecken und nutzbar zu machen.
H2Raum: An was arbeiten Sie aktuell konkret im Bereich Wasserstoff?
Moeini: Fügetechnologien spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, Komponenten für Wasserstofftechnologien technisch umzusetzen – von der Erzeugung über den Transport bis hin zur Anwendung. Momentan stehen vor allem der Aufbau einer neuen Infrastruktur für Wasserstoffspeicherung und -transport sowie die sichere Umnutzung bestehender Erdgasnetze im Fokus. Aus werkstofftechnischer Sicht sind diese Entwicklungen hoch anspruchsvoll. Außerdem sehen wir heute schon das enorme Potenzial der additiven Fertigung für wasserstoffrelevante Bauteile – und ich bin überzeugt, dass dieser Bereich in Zukunft noch stärker an Bedeutung gewinnen wird.
H2Raum: Welche Rolle spielt Wasserstoff aus Ihrer Sicht für die Energiewende?
Moeini: Wasserstoff ist ein zentraler Baustein für die Energiewende. Er kann langfristig als Bindeglied zwischen Strom-, Wärme- und Mobilitätssektor dienen und so eine sektorübergreifende Kopplung ermöglichen. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele und zur Transformation in eine treibhausgasneutrale Wirtschaft – national wie international.
H2Raum: Warum braucht es gerade im Ruhrgebiet eine starke Wasserstoffwirtschaft?
Moeini: Das Ruhrgebiet ist Teil der wirtschaftlich bedeutenden europäischen Metropolregion, die als „Blaue Banane“ bekannt ist – ein zentraler industrieller und logistischer Korridor, der sich von Südengland über die Benelux-Staaten und das Rhein-Ruhr-Gebiet bis nach Norditalien erstreckt. Aufgrund seiner industriellen Dichte, der ausgezeichneten Infrastruktur und strategischen Lage kommt dem Ruhrgebiet eine Schlüsselrolle beim Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft zu. Besonders energie- und emissionsintensive Branchen wie die Stahl-, Chemie- und Zementindustrie sind hier stark vertreten – und genau diese brauchen grünen Wasserstoff, um ihre Prozesse zu dekarbonisieren. Gleichzeitig bietet die Region mit ihrer bestehenden Infrastruktur, etwa durch Pipelines, Industrieparks und Forschungsinstitutionen, ideale Voraussetzungen für den schnellen Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft.
H2Raum: Arbeiten Sie aktuell an konkreten Projekten, für die Sie Partner und Partnerinnen aus der Industrie suchen?
Moeini: Ja, aktuell arbeiten wir gemeinsam mit der Universität Duisburg-Essen und der GSI – Gesellschaft für Schweißtechnik International mbH – an dem Projekt „ Nachhaltigkeit H2 “, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Ziel ist es, neue praxisnahe Ausbildungsinhalte für den Beruf des Anlagenmechanikers zu entwickeln, um zentrale Kompetenzen im Bereich Wasserstofftechnologien zu vermitteln. Dabei geht es um Themen wie Planung, Bau und Instandhaltung wasserstoffführender Anlagen. Denn klar ist: Der Aufbau einer sicheren und effizienten Wasserstoffinfrastruktur gelingt nur mit gut ausgebildeten Fachkräften. Unternehmen, die Know-how und konkrete Anforderungen aus der Praxis einbringen möchten, insbesondere aus den Bereichen Anlagenbau, Wasserstoffproduktion oder -logistik, sind herzlich eingeladen, sich einzubringen.
H2Raum: Mit welchen Fragestellungen können sich Unternehmen an Sie wenden?
Moeini: Unternehmen können sich mit allen werkstoff- und schweißtechnischen Herausforderungen an uns wenden – besonders im Kontext der Wasserstofftechnologie. Das betrifft zum Beispiel:
Darüber hinaus sind wir offen für gemeinsame Forschungsprojekte, um die Fügetechnik in zukunftsrelevanten Bereichen weiterzuentwickeln.
H2Raum: Welche Themen würden Sie besonders gerne mit Vertreterinnen und Vertretern mittelständischer Unternehmen diskutieren?
Moeini: Besonders spannend finde ich praxisnahe Fragestellungen aus dem Mittelstand, etwa wie sich neue Fügetechnologien effizient in bestehende Produktionsprozesse integrieren lassen – auch unter dem Aspekt der Wasserstofftauglichkeit. Weitere Themen wären: Werkstofflösungen für wasserstoffresistente und dichte Verbindungen, der konkrete Bedarf an qualifizierten Fachkräften, sowie Chancen und Hürden bei der Einführung der additiven Fertigung für wasserstoffrelevante Komponenten.
H2Raum: Wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?
Moeini: Am besten erreichen mich Interessierte per E-Mail unter ghazal.moeini@w-hs.de Ich freue mich auf den Austausch!
Danke für das tolle Gespräch!!!
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