H2Raum-Interviewreihe: Wasserstoff im Gespräch mit Dr. Norbert Kazamer

Dr. Norbert Kazamer forscht an der Westfälischen Hochschule und arbeitet zugleich bei der ProPuls GmbH – eine Kombination, die ihm einen einzigartigen Blick auf die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Industrie ermöglicht. Sein Schwerpunkt liegt auf skalierbaren Testsystemen und der nachhaltigen Entwicklung von Membran-Elektroden-Einheiten (MEAs) für die Wasserelektrolyse. Er sucht Ansprechpersonen aus Industrie und Forschung – insbesondere in den Bereichen poröse Materialien, Beschichtungen und Testsysteme, um gemeinsam praxisnahe Lösungen für die Wasserstoffwirtschaft zu entwickeln.

Inhaltsblöcke

H2Raum: Herr Kazamer, stellen Sie sich bitte unseren Leserinnen und Lesern kurz vor

Norbert Kazamer: Bevor ich 2015 an die Westfälische Hochschule Gelsenkirchen kam, habe ich Maschinenbau und Materialwissenschaft an der Politehnica-Universität Temeswar in Rumänien studiert. Im Rahmen meines Studiums konnte ich an Austauschprogrammen mit Universitäten in Spanien, Finnland und der Türkei teilnehmen. Meine Promotion im Bereich Oberflächentechnik erfolgte im Rahmen einer Kooperation zwischen der Westfälischen Hochschule und der UPT. Seit 2019 bin ich Mitglied der Wasserstoff-Arbeitsgruppe der WH und seit 2024 auch Teil des GE-prof Programms in Zusammenarbeit mit der ProPuls GmbH.  

H2Raum: Was ist Ihr aktueller Forschungsschwerpunkt?

Norbert Kazamer: Ich forsche seit sechs Jahren an porösen Materialien, die in der PEM- und AEM-Wasserelektrolyse als Elektroden dienen. Derzeit unterrichte ich auch in diesem Bereich, was mir erlaubt, Wasserstoffenergiesysteme sowohl aus akademischer als auch aus industrieller Perspektive zu betrachten. Die Tätigkeit in der Industrie verschafft mir zusätzliche Einblicke in die konkreten Anforderungen der Praxis.  

H2Raum: Woran arbeiten Sie derzeit konkret im Bereich Wasserstoff?

Norbert Kazamer: Ich arbeite aktuell am Herzstück des Elektrolyseurs: der Membran-Elektroden-Einheit (MEA). Diese Einheit, bestehend aus Membran, Elektroden und Bipolarplatten, ist zentral für die elektrochemische Reaktion. An der Hochschule forschen wir an Edelmetallbeschichtungen mit geringer Beladung für PEM-Elektrolyse sowie an NiX-Beschichtungen (X = Fe, Mo) für AEM-Systeme. Bei der ProPuls GmbH fokussiere ich mich auf die industrielle Anwendbarkeit – insbesondere auf alternative Materialien, Testsysteme und die Weiterentwicklung skalierbarer Lösungen. Denn ohne zuverlässige Testumgebung bleibt selbst die beste MEA wirkungslos. 

H2Raum: Welche Rolle spielt Wasserstoff Ihrer Meinung nach für die Energiewende?

Norbert Kazamer: Wasserstoff ist essenziell für die Energiewende – insbesondere wegen seiner Speicherfähigkeit und Flexibilität. Er ermöglicht die Verbindung von Strom, Wärme, Mobilität und Industrie (Sektorenkopplung) und bietet Lösungen in schwer elektrifizierbaren Bereichen wie der Stahlindustrie oder im Schwerlastverkehr. Grüner Wasserstoff kann fossile Brennstoffe ersetzen und so einen bedeutenden Beitrag zur Reduktion von CO₂ leisten. 

H2Raum: Warum ist gerade im Ruhrgebiet der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft so wichtig?

Norbert Kazamer: Das Ruhrgebiet ist nicht nur ein historischer Energie- und Industriestandort, sondern auch ein Ort mit hohem Potenzial für die Wasserstoffwirtschaft. Viele energieintensive Unternehmen brauchen langfristig klimaneutrale Lösungen. Zudem bietet die vorhandene Infrastruktur, etwa das Erdgasnetz und die Nähe zu Forschungseinrichtungen – ideale Voraussetzungen. Wasserstofftechnologien können hier ein zentraler Baustein für den Strukturwandel sein.  

H2Raum: Suchen Sie aktuell Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner?

Norbert Kazamer: Ja, wir sind offen für Kooperationen, sowohl mit akademischen Einrichtungen als auch mit Industriepartnern. Besonders interessant sind Unternehmen, die poröse Materialien, Beschichtungen oder Nanopartikel entwickeln. Auch die Polymerchemie ist für uns ein spannendes Feld. Auf Unternehmensseite suchen wir vor allem Partner für die Erprobung von Materialien oder Entwicklung von Elektrolysesysteme. Ziel ist es, praxisnahe, skalierbare und zukunftsorientierte Lösungen zu entwickeln, gemeinsam und mit Mehrwert für die Region.  

H2Raum: Mit welchen Fragen oder Projekten können Unternehmen konkret auf Sie zukommen?

Norbert Kazamer: Unsere Forschung konzentriert sich auf die nachhaltige Nutzung von Rohstoffen in der Herstellung von MEAs und auf skalierbare Prozesse mit industriellem Potenzial. Besonders hervorheben möchte ich unser patentiertes Verfahren zur hydraulischen Verpressung von Zellen – es ermöglicht eine verlässliche und reproduzierbare Testung von Komponenten. Wir sind offen für Projekte, bei denen wir gemeinsam die Machbarkeit neuer Ansätze prüfen und weiterentwickeln. 

H2Raum: Gibt es Themen, über die Sie sich besonders gerne mit Vertreterinnen und Vertretern mittelständischer Unternehmen austauschen würden?

Norbert Kazamer: Ja, mich interessieren vor allem konkrete Fragestellungen zur Integration von Wasserstofftechnologien – etwa in bestehende Prozesse oder zur Entwicklung neuer Materialien und Testumgebungen. Der Mittelstand hat großes Potenzial, weil er schnell und flexibel agieren kann. Gemeinsam könnten wir an Lösungen arbeiten, die sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich nachhaltig sind – und die insbesondere  

H2Raum: Wie können interessierte Partner mit Ihnen in Kontakt treten?

Norbert Kazamer: Ich bin erreichbar per E-Mail unter  norbert.kazamer@w-hs.de  oder  norbert.kazamer@pr  opuls.de , telefonisch unter: +49 (0209) 9596-5089. Oder über mein LinkedIn-Profil:  linkedin.com/in/norbertkazamer .



   



Vielen Dank für das tolle Gespräch!!!

Freuen Sie sich auf regelmäßige Interviews mit Expertinnen und Experten aus Unternehmen und Wissenschaft. Bleiben Sie dran und entdecken Sie die richtigen Kontaktpersonen für Ihre Fragen.  

Ansprechpartner

Kerstin Griese
Kerstin GrieseSenior Communicator H2Raum
H2Raum für die Transformation des Mittelstandes

Kommentare