
Ein Überblick über die Wasserstoff-Förderlandschaft in Deutschland
Auf Bestreben der Bundesregierung und seiner veröffentlichten Wasserstoff-Strategie sollen Unternehmen, die in die Zukunftstechnologie Wasserstoff einsteigen möchten, mit deutschen und europäischen Programmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette gefördert werden. Die Förderungen sollen vornehmlich Forschungsprojekte zur Entwicklung, Planung und Umsetzung der Sektoren Erzeugung, Transport,
Infrastruktur und Speicherung abdecken.
Parallel sollen Universitäten und Forschungseinrichtungen zur Entwicklung neuer Technologien sowie zur Ausbildung von dringend benötigtenFachkräften für den aufkommenden Arbeitsmarkt mit Fördermitteln stimuliert werden. Programme zur Verlinkung und Kooperation von Unternehmen mit akademischen Partnern sind hierbei wichtige Transferwerkzeuge, um Technologienund Fachkräfte der deutschen Forschungslandschaft in die praxisnahe Anwendungder Unternehmen zu überführen.
Inhaltsblöcke
Verloren im Förderdschungel?
Unternehmen finden sich im Förderdschungel häufig nicht zurecht. Dieser Artikel soll aufzeigen, dass es umfangreiche
Förderprogramme zum Thema Wasserstoff von regionalem bis internationalem Maßstab gibt, die eine Drittmittel finanzierte Beteiligung am Markthochlauf für Wasserstoff ermöglichen können. Allerdings kann und will dieser Artikel keine umfassende
Förderberatung darstellen, sondern nur erste Anlaufstellen aufzeigen. Die genannten Förderoptionen sind daher bei weitem nicht vollständig.
Forschungsförderung national
Wichtigste Initiatoren und Fördermittelgeber auf Bundesebene sind das BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) und das BMWK (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz). Die Bunderegierung hat bereits präventiv auf einen potenziell unübersichtlichen Förder-Dschungel reagiert und mit der Lotsenstelle Wasserstoff eine Förderberatung für Unternehmen unterschiedlichster Branchen sowie Hochschulen, Forschungseinrichtungen und weitere Akteure eingerichtet. Ein Blick in die Lotsenstelle zeigt u. a. folgende Themenschwerpunkte:
die Technologieoffensive Wasserstoff des (aktuell
auslaufenden) 7. Energieforschungsprogramms und


Im aktuell startenden 8. Energieforschungsprogramm der Bundesregierung, das das 7. Programm nahtlos ablösen soll, steht der erfolgreiche Umbau des Energiesystems im Zentrum: Die Förderlinie ,,Mission Wasserstoff" ist dabei gleichrangig neben den Themen„Energiesysteme“, „Wärmewende“, „Stromwende“ und „Transfer“ aufgeführt. Die „Mission Wasserstoff 2030) teilt sich auf die Themenschwerpunkte „Produktion von H2 und Derivaten“, „Brennstoffzellen“ und „Wiederverstromung“ auf. Unternehmen, die dieses Förderprogramm nutzen wollen, sollten aufgrund der Komplexität die fachlichen Ansprechpartner des Projektträgeres Jülich (PTJ )
Neben der Option zur Förderung neuer Projekte und Initiativen gibt es zudem die Möglichkeit auf bestehende und bereits laufende Projekte aufzuspringen. Hierbei sind vor Allem die drei großen Wasserstoff-Leitprojekte des BMBF zu nennen. Diese Leitprojekte sind H2Giga (seri enmäßigen Herstellung von Wasser-Elektrolyseuren), H2Mare (Wasserstoff und Folgeprodukt-Produktion direkt auf See mithilfe von Windrädern) und TransHyDE (Entwicklu ng, Bewertung und Demonstration von Technologien zum Wasserstoff-Transport). Die Leitprojekte sind grundsätzlich offen für neue Partner. Deren Beitrag muss aber inhaltlich zum jeweiligen Projekt passen.
Darstellung der Projekte H2Giga, H2Mare und TransHyDE auf der Seite des BMBF (Quelle: Wasserstoff-Leitprojekte: Die Leitprojekte )
Weitere Großprojekte und Forschungs-Cluster, die eine Integration neuer Partner aus Unternehmen und Forschung erlauben, könneninteressierte Unternehmen über die koordinierenden Projektträger oder Fördergeber auf Bundes- oder Landesebene abfragen. Der nationale Wasserstoffrat setzt insbesondere auf regionale Wasserstoff-Cluster, deren Arbeit die industrielle Transformation und Resilienzder Energiesysteme in den Regionen erhöhen soll. Ein Beispiel ist das vom BMBF geförderte Helmholtz-Cluster HC-H2 im Rheinischen Revier, das neue Technologien rund um den Wasserstoff entwickeln und in großen Anlagen in einer der deutschen Kohleausstiegs- und Strukturwandelregionen demonstriert soll.
Forschungsförderung – regional
Neben den Förderprogrammen auf Bundesebene gibt es noch solche auf Länderebene, oft sogar mit stark regionalem und teilweise investivem Bezug, die meist gezielt die Stärkung von Technologiestandorten und einen regionalen Markthochlauf adressieren. Die hier implementierten Förderinstrumente werden nicht selten von Dritten strukturiert und vertreten. Im Fall von NRW ist das die NRW.Energy4Climate mit ihrer Leitstelle H2.NRW . Hier können Unternehmen konkrete Förderberatung erhalten. (Vergleichbare Beratungsstellen sind in allen Bundesländern installiert). Die Leitstelle H2.NRW listet etwa folgende Förderlinien auf: „klimaneutraler Mittelstand“ , der Förderaufruf „innovative Wasserstoff Demonstrationsregion Rheinisches Revier“ des BMWK und "H2-Mobilität" . Eine weitere Möglichkeit zur Förderung regionaler Projekte aus existierenden Bundesförderinstrumenten sind themenoffene Förderprogramme, die für Unternehmen und Forschungseinrichtungen standortwirksam das Thema Wasserstoff adressieren. Ein Beispiel hierfür ist unser seitens BMBF gefördertes T!-Raum -Projekt "H2Raum" mit dem regionalen Schwerpunkt Ruhrgebiet, das neben Netzwerkaktivitäten von Unternehmen und Forschungspartnern auch gemeinsame F&E-Projekte initiieren und fördern kann.
Förderung – international
Die EU hat sich im Rahmen des European Green Deals den Aufbau eines europäischen Wasserstoffmarkts und grenzüberschreitender Wasserstoffinfrastrukturen zum Ziel gesetzt. Dazu hat die EU auch eigene Förderinstrumente aufgesetzt, die die Grundlagenforschung, die angewandten Forschung und investive Maßnahmen unterstützen. Unternehmen, Institutionen und öffentliche Träger, die internationale Förderung anvisieren, müssen hierfür in der Regel mit einem internationalen Konsortium im Verbund arbeiten. Außerdem stehen der Aufbau von grenzüberschreitenden Infrastrukturen, Branchen-Lösungen sowie ein internationaler Wissenstransfer im Vordergrund. Abbildung links: Europa auf dem Weg in die Wasserstoffwirtschaft
(Quelle: Mediathek -NRW.Energy4Climate)


Bei den Förderinstrumenten unterscheidet die EU im Wesentlichen zwischen dem „Rahmen für die Wasserstoffpolitik“, „Investitionen in Wasserstoff“ und die „EU-Wasserstoff-Initiativen“. Bei letzterem ist insbesondere auf den „Ko mpass für die öffentliche Finanzierung von Wasserstoff“ zu verweisen, der als Online-Leitfaden helfen kann, öffentliche Finanzierungsquellen für Wasserstoffprojekte auf EU-Ebene zu ermitteln. So adressiert und fördert zum Beispiel der EIC Accelerator als Teil des Horizon Europe-Programms insbesondere KMUs mit innovativen Ansätzen und Projekte mit hohem Wachstums- und Ausweitungspotentialen. Hierbei sind Förderungen und Investitionen kombinierbar. Der themenoffene European Regional Development Fund (ERDF) adressiert auch H2-Projekte in eher regionalem Maßstab. Der Fund fördert Unternehmen für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltige Entwicklung in Pilotregionen. Im Gegensatz dazu ist der Connecting Europe Facility (CEF) ein zwar auch themenoffenes Programm, das aber Infrastrukturprojekte zu Transport, Energy und Digitalisierung mit Beteiligung von Unternehmen auf EU-Ebene und über Grenzen hinweg fördert. Nicht zuletzt bietet die European Investment Bank (EIB) zwar kein direktes Finanzierungsprogramm, gewährt aber Darlehen für Projekte zu Infrastruktur und Innovation, die zu den politischen Zielen der EU beitragen (s.o.). Weitere internationale Förderprogramme zu Wasserstoffprojekten außerhalb der EU werden meist über Ausschreiben der Ministerien kommuniziert und sind über die oben erwähnte Lotsenstelle Wasserstoff beim BMWK, ggf. auch über die Ministerien der Bundesländer abzufragen.
Wasserstoffkarte NRW (Quelle: Home: Wasserstoffkarte NRW )
Wo kann man sich außerdem informieren?
Die Vertreter der Ministerien, Landeseinrichtungen und Behörden, der Projektträger sowie jene von geplanten und bereits laufenden Projekten und Projekt-Clustern zum Thema Wasserstoff sind oftmals auf themenoffenen oder H2-spezifischen Energie-Messen und Netzwerkveranstaltungen anzutreffen. Auch auf der aktuell wachsenden Zahl an Veranstaltungen zum Thema Wasserstoff können Unternehmen oft bedeutend schneller und effizienter die verschiedensten Kooperations- und Fördermöglichkeiten für ihre Vorhaben sondieren und erörtern. Daneben ist immer der direkte Kontakt zu Projektträgern, Förderberatungsstellen sowie den Hochschulen und Forschungseinrichtungen anzuraten, um möglichst passgenau Partner und Förderinstrumente für die eigenen Vorhaben zu identifizieren, um den Markthochlauf der Wasserstoffindustrie mitzugestalten.
Kontakt zum Ansprechpartner
Frank Sachs e
Geschäftsbereichleiter Transfer und Kommunikation
Telefon: +49 151 67802187
Frank.Sachse@IEG-Frunhofer.de


Bildhinweise
Titelbild : Foto von Fabian Blank auf Unsplash
Foto Frank Sachse: Privat
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